Die Fähigkeit, Alternativen systematisch zu entwickeln, ist auch eine der sechs Dimensionen des Konstrukts „Proaktives Entscheiden“, das ich mit Kollege Kunz (Universität zu Köln) entwickelt habe. Im explorativen Stadium haben wir mit SPSS das Konstrukt theoretisch hergeleitet, konzeptualisiert und durch reliable und valide Items operationalisiert. Im konfirmatorischen Stadium haben wir unsere Skala quantitativ-empirisch getestet und validiert. Insgesamt konnten wir mit der Skala erstaunliche 48,3% der Varianz der Entscheidungszufriedenheit erklären.
In einem Folgeartikel zeigen wir, dass proaktives Entscheiden erlernbar ist, und erklären mithilfe eines Strukturgleichungsmodells über 35% der Lebenszufriedenheit. In einer weiteren Arbeit zeigen wir, dass durch unterschiedliche Vorlesungsformate proaktives Entscheiden trainierbar ist (Siebert et al. 2021). Wer lernt, proaktiv in Entscheidungssituationen zu agieren, ist somit zufriedener mit seinem Leben. Daraus lässt sich sehr eindrucksvoll ein zentraler Kompetenzerwerb für Studierende begründen.
Siebert, Johannes; Kunz, Reinhard, Rolf, Philipp. “Effects of Proactive Decision Making on Life Satisfaction” (European Journal of Operational Research, in press.https://doi.org/10.1016/j.ejor.2019.08.011)
Siebert, Johannes; Kunz, Reinhard, Rolf, Philipp. “Effects of Proactive Decision Making on Life Satisfaction” (European Journal of Operational Research, in press.https://doi.org/10.1016/j.ejor.2019.08.011 )
Johannes Ulrich Siebert, Reinhard E. Kunz, Philipp Rolf. Effects of decision training on individuals’ decision-making proactivity. European Journal of Operational Research (2021), DOI: https://doi.org/10.1016/j.ejor.2021.01.010
Johannes Ulrich Siebert, Reinhard E. Kunz, Philipp Rolf: Effects of proactive decision making on life satisfaction. European Journal of Operational Research (2020), 280, 1171-1187. DOI: https://doi.org/10.1016/j.ejor.2019.08.011
Wer in wichtigen privaten und beruflichen Fragen kluge Entscheidungen trifft, erhöht die Chancen auf größere Lebenszufriedenheit. Die dafür erforderlichen kognitiven Fähigkeiten lassen sich durch Schulungen signifikant steigern. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Bayreuth in aktuellen empirischen Studien, die im „European Journal of Operational Research“ erschienen sind. Mehrwöchige Kurse mit Teilnehmer*innen verschiedener Alters- und Berufsgruppen stärkten nachweislich deren Fähigkeit, in schwierigen Entscheidungssituationen eine gut überlegte Wahl zu treffen.
Sind die kognitiven Fähigkeiten, die ein proaktives kluges Entscheidungsverhalten stärken, zu schwach ausgeprägt, kommt es zu Fehlentscheidungen, genauer: zur Wahl suboptimaler Handlungsoptionen. Nicht selten werden dadurch die Lebensqualität und die Lebenszufriedenheit dauerhaft beeinträchtigt. Schulungen, die sowohl die Vermittlung von Grundlagenwissen als auch praktische Übungen einschließen, können jedoch das Entscheidungsverhalten deutlich verbessern – und zwar genau dadurch, dass sie kognitive Fähigkeiten stärken. Dazu zählen vor allem die Fähigkeiten, Entscheidungssituationen vorausschauend und proaktiv anzugehen, Klarheit über eigene Ziele zu gewinnen, erfolgversprechende Optionen zu identifizieren und durch kluges Abwägen eine bestmögliche Wahl zu treffen. Dies hat ein Forschungsteam der Universität Bayreuth in mehrjährigen Untersuchungen herausgefunden. Daran beteiligt waren PD Dr. Johannes Siebert, Philipp Rolf sowie der ehemalige Juniorprofessor Dr. Reinhard Kunz, der jetzt eine Professur an der Universität zu Köln innehat.
Schulungsveranstaltungen können allerdings nicht die Charaktereigenschaften verändern, die – neben den kognitiven Fähigkeiten – ebenfalls einen wesentlichen Einfluss auf das Entscheidungsverhalten haben. „Langfristig wirksame Dispositionen, wie etwa das Streben nach Selbstoptimierung oder eine initiativfreudige Einstellung zum Leben, können sich offensichtlich nicht innerhalb weniger Wochen oder Monate aufgrund von Schulungen herausbilden“, erklärt Siebert, der sich in Bayreuth habilitiert hat und derzeit am Management Center Innsbruck forscht und unterrichtet.
In einer Vorgängerstudie haben die Bayreuther Wissenschaftler nachweisen können, dass kluges proaktives Entscheidungsverhalten die Lebenszufriedenheit erheblich fördern kann. Entscheidend ist dabei nicht allein die Fähigkeit, vorgegebene Handlungsoptionen umsichtig zu bewerten und gegeneinander abzuwägen, sondern auch die Fähigkeit, selbständig weitere Optionen zu entdecken oder sogar neu zu schaffen. „Unsere Studien zeigen deutlich: Wie sehr wir mit unserem Leben zufrieden sind, hängt keineswegs nur von Gegebenheiten ab, denen wir ausgeliefert sind, ohne sie beeinflussen zu können. Ein proaktives Entscheidungsverhalten hilft uns dabei, neue und bessere Handlungsoptionen zu erschließen und dadurch die eigene Lebensqualität zu stärken. Weil wir die dafür nötigen Fähigkeiten gezielt trainieren können, liegt es auch in unserer Hand, ob wir uns zu zufriedenen Menschen entwickeln“, sagt Philipp Rolf, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Produktionswirtschaft und Industriebetriebslehre der Universität Bayreuth.
Die neuen Erkenntnisse über die Stärkung der für gute Entscheidungen wichtigen kognitiven Eigenschaften sind aus der wissenschaftlichen Begleitung und Auswertung von drei mehrwöchigen Veranstaltungen hervorgegangen: Ein Online-Kurs zur Qualität von Entscheidungen wurde in Zusammenarbeit mit einer renommierten US-amerikanischen Universität durchgeführt, eine Vorlesung zur Entscheidungstheorie fand an einer Technischen Universität in Deutschland statt, Lehrveranstaltungen am Management Center Innsbruck in Österreich legten einen Schwerpunkt auf die systematische Strukturierung und Lösen von Entscheidungssituationen. Die insgesamt mehr als 1.000 Teilnehmer*innen gehörten unterschiedlichen Alters- und Berufsgruppen an und bildeten so ein breites gesellschaftliches Spektrum ab. „Alle drei Kurse haben die Fähigkeit der Teilnehmenden, durch proaktives und kluges Überlegen zu richtigen Entscheidungen zu gelangen, nachweislich gestärkt – und zwar unabhängig von ihrer Alters- und Geschlechtszugehörigkeit oder ihrer beruflichen Tätigkeit“, sagt Siebert.
„KLUG entscheiden!“: Ein Schulprojekt in Oberfranken
Die Ergebnisse der beiden Studien werden auch in das Schulprojekt „KLUG entscheiden!“ einfließen, das vor drei Jahren in Oberfranken und der Oberpfalz gestartet ist. Zahlreiche Schüler*innen wurden in Workshops bereits mit Erfolg dazu angeleitet, nach dem Schulabschluss eine gut begründete und weitsichtige Entscheidung für eine Ausbildung oder für ein Studium zu treffen. Darüber hinaus werden Lehrkräfte mit Grundlagen der Entscheidungstheorie vertraut gemacht und darin ausgebildet, die im Projekt erarbeiteten Inhalte in ihren Unterricht zu integrieren. Das Projekt befasst sich zugleich mit der Frage, wie Schulen ein solches Entscheidungsverhalten fördern können. „Erste Ergebnisse zeigen, dass auch Schülerinnen und Schüler ihre Entscheidungsfähigkeiten trainieren können und in der Folge ihre Berufswahlentscheidungen selbstbewusster angehen. Hieraus ergeben sich sehr interessante neue Ansatzpunkte für die Förderung junger Menschen“, resümiert Siebert. Das Projekt wird von der Rainer Markgraf Stiftung, der Adalbert-Raps-Stiftung und der Oberfrankenstiftung finanziell unterstützt und bis Ende 2021 in Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth fortgesetzt.
Die erste Entscheidung viele junge Menschen ist die, „was mache ich nach der Schule?“ Zumeist werden allenfalls unterschiedliche Möglichkeiten vorgestellt. Häufig wählen junge Menschen dann eine von den offensichtlichen oder von anderen Personen vorgeschlagenen Alternativen, ohne sich intensiver damit auseinanderzusetzen, was sie persönlich eigentlich wollen und was ihre Ziele sind. So hört man häufig von Jugendlichen: „Meine Mutter ist Ärztin, also studiere ich Medizin“, oder „Mein Vater ist Unternehmer. Ich studiere BWL“, oder aber auch „Meine Eltern haben nicht studiert. Ich soll auf keinen Fall den gleichen Fehler machen“. Grundsätzlich mögen diese Entscheidungen objektiv gesehen „vernünftig“ erscheinen; im Einzelfall ist es jedoch dringend notwendig, die Interessen, Wünsche und Voraussetzungen jedes/r Einzelnen individuell zu berücksichtigen.
Vor der Wahl des Studienfaches sollte sich jeder die zentrale Frage stellen, ob Ausbildung oder Studium besser zu den Zielen und Wünschen eines jungen Menschen passen. Diese wird heute allerdings häufig komplett außen vorgelassen. In der Folge dessen und aufgrund von schlechten Vorabwägungen bei der Karriereentscheidung brachen im Jahr 2015 28 Prozent aller Bachelorstudierenden ihr Studium ab und 25 Prozent der Ausbildungsverträge wurden vorzeitig gekündigt. Neben ökonomischen Folgen wie etwa erhöhten Ausbildungskosten oder Fachkräftemangel kommt es auch zu teilweise erheblichen individuellen Folgen, da der Abbruch eines Ausbildungswegs oft als schweres Scheitern angesehen wird.
In einem großen Forschungsprojekt in Nordbayern untersuchen wir, wie jungen Menschen am besten in Entscheidungskompetenz trainiert werden können, damit sie gut gerüstet sind, die Entscheidungen, die ihr Leben maßgeblich beeinflussen, besser und proaktiver treffen können. (www.KLUGentscheiden.de)
Um die COVID-19-Pandemie zu bewältigen, stehen viele Unternehmen vor zahlreichen strategischen Entscheidungen, die für ihre Zukunft von größter Bedeutung sind. Sich seiner Ziele bewusst zu sein, ist eine Voraussetzung für eine solide Entscheidungsfindung. Entscheidungsträger und Politiker sind sich jedoch oft ihrer Ziele nicht bewusst, wenn sie in „normalen“ Zeiten vor wichtigen Entscheidungen stehen. Darüber hinaus müssen in Krisenzeiten wie derCOVID-19-Pandemie spezifische Ziele festgelegt werden.
In diesem Artikel geben wir Managern einen Leitfaden an die Hand, der Folgendes veranschaulicht. (i) Wie lassen sich Unternehmensziele ermitteln? (ii) Wie können sie diese innerhalb ihrer Lieferketten und mit den Zielen der politischen Entscheidungsträger in Einklang bringen? (iii) Wie können die Ziele während und nach der COVID-19-Pandemie angepasst werden? Darüber hinaus schlagen wir umfassende Sätze relevanter Ziele vor und schlagen einen iterativen Prozess zur Definition, Abstimmung und Anpassung von Zielen vor.
Die Studie kann Praktikern aus der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung bei der Entscheidungsfindung und bei politischen Maßnahmen helfen. Forscher können sich von den skizzierten Standpunkten zu Entscheidungsprozessen und den angesprochenen Perspektiven für die künftige Forschung inspirieren lassen.
Entscheidungen sind die einzige Möglichkeit, aktiv auf das, was uns oder unserer Organisation wichtig ist, Einfluss zu nehmen. Alles andere ‚passiert‘. Daher ist es verwunderlich, dass Entscheidende viele Verbesserungspotenziale ungenutzt lassen. Im September-Stadtgespräch werden zahlreiche Tipps gegeben, wie wir systematisch bessere Entscheidungen treffen können und damit das erreichen, was uns wichtig ist. Darüber referiert Prof. (FH) PD Dr. habil. Johannes Siebert vom Management Center Innsbruck.
Thema: Give yourself a nudge: Wie Sie sich selbst ‚anstupsen‘ können, um systematisch beruflich und privat bessere Entscheidungen zu treffen
Referent: Prof. (FH) PD Dr. habil. Johannes Siebert, Management Center Innsbruck
Datum / Uhrzeit: Mittwoch, 2. September 2020, ab 18 Uhr
„Entscheidungen sind die einzige Möglichkeit, aktiv auf das, was Ihnen oder Ihrer Organisation wichtig ist, Einfluss zu nehmen. Alles andere passiert. Daher ist es verwunderlich, wie viele Verbesserungspotenziale Entscheidende ungenutzt lassen“, sagt der Referent des September-Stadtgesprächs, Prof. (FH) PD Dr. habil. Johannes Siebert vom Management Center Innsbruck. Eine Möglichkeit, dass Menschen bessere Entscheidungen treffen, so Siebert, läge darin, Menschen ‚anzustupsen‘ (engl. nudging). Richard Thaler hat für diesen Ansatz der Verhaltensökonomie 2017 den Wirtschaftsnobelpreis erhalten. Dabei setzten, so Siebert, sogenannte Entscheidungsarchitekten einen Rahmen, damit Menschen vermehrt Entscheidungen träfen, die für sie selber, aber auch für die Gemeinschaft gut seien, wobei die Wahlfreiheit gewährleistet bliebe. „Wenn beispielsweise in einer Cafeteria“, erläutert Siebert, „gesunde Lebensmittel direkt im Eingangsbereich ansprechend präsentiert werden, dann werden in der Regel mehr gesunde Lebensmittel konsumiert. Allerdings ist es nicht immer möglich, dass Sie ein Entscheidungsarchitekt ‚anstupst‘ oder Sie wollen das gar nicht. Im Vortrag zeige ich, wie Sie sich selbst ‚anstupsen‘ können, systematisch bessere Entscheidungen zu treffen, und wie Sie erreichen, was Ihnen wichtig ist. Dazu werde ich zahlreiche, einfach anwendbare Tipps geben, die bei konsequenter Beachtung dazu führen, dass Sie zufriedener mit Ihrem Leben sind.“
Zum Referenten
Prof. (FH) PD Dr. habil. Johannes Siebert hat an der Universität Bayreuth BWL studiert (2005 Abschluss als Diplomkaufmann), wurde hier 2010 auch promoviert (Thema ‚Multikriterielles Entscheiden‘) sowie 2015 habilitiert (Thema ‚Behavioral Operations Research and Decision Analysis‘). Seit August 2017 lehrt und forscht Siebert am Management Center Innsbruck in Österreich. Darüber hinaus ist er Privatdozent an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth.
Der Bayreuther Alumnus gilt als einer der führenden Experten in Bereich ‚Behavioral Operations Research and Decision Making‘: In seinen Forschungen untersucht Siebert menschliches und organisationales Entscheidungsverhalten und entwickelt Methoden für Entscheidungsträger, von Einzelpersonen bis hin zu großen Organisationen, damit diese besser informierte Entscheidungen treffen. Seine Forschungsergebnisse werden in führenden Fachzeitschriften veröffentlicht.
Siebert verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in der angewandten Entscheidungsforschung. Er hat Forschungs- und Beratungsprojekte für nationale und internationale Auftraggeber aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bearbeitet und geleitet. Beispielsweise hat er Entscheidungsträger im Pentagon (USA) und im kalifornischen Verkehrsministerium sowie Vorstände von großen deutschen Konzernen beraten. In dem Projekt‚ KLUGentscheiden‘ entwickeln er und sein Team Entscheidungstrainings und führen diese mit Schülerinnen und Schülern in Oberfranken und der Oberpfalz in Abschlussklassen durch. Kürzlich wurde der Wissenschaftler in das Beratungsgremium der renommierten ‚Alliance for Decision Education‘ rund um Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman aufgenommen. Prof. (FH) PD Dr. habil. Johannes Siebert wird mit seiner Expertise dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche lernen, abseits vom üblichen ‚Try and Error‘ bewusste und wohlüberlegte Entscheidungen treffen.
Das Projekt „PerFake“ beschäftigt sich mit der methodischen Reduktion des Perseveranzeffekts bei Fake News. Fake News wurden durch die US-Präsidentschaftswahlen 2016 und die Volksabstimmung zum Brexit zu einem globalen Phänomen, insbesondere dadurch, dass immer mehr Menschen soziale Medien unreflektiert als Quelle für Nachrichten heranziehen. Die Verbreitung von Fake News im Internet und deren Folgen werden im Europäischen Parlament intensiv diskutiert. Dennoch gibt es bislang keine Übereinkunft, wie der Einfluss von Fake News vermindert werden soll. Die Problematik von Fake News ist, dass, selbst wenn diese einwandfrei als solche identifiziert werden, immer noch „etwas hängen bleibt“, also die Meinung nachhaltig beeinflusst wird. Dieser Bias nennt sich Perseveranzeffekt“ und erklärt den großen Einfluss von Fake News auf die Meinungsbildung und auch das Entscheidungsverhalten vieler Menschen.
Das Ziel des Projekts „PerFake“ ist es dazu beizutragen, diesen negativen Einfluss von Fake News zu minimieren. Die Forschungsfrage lautet daher: „Wie kann der Perseveranzeffekt im Zusammenhang von Fake News bestmöglich reduziert werden?“
Um diese Forschungsfrage umfassend zu beantworten, werden Methoden zur Reduktion dieses Biases entwickelt und in zwei Fragebogen-basierten Experimenten mit vielen Teilnehmer/innen getestet und optimiert. Im ersten Experiment wird ein Thema gewählt, zu dem die Teilnehmer/innen sich noch keine Meinung gebildet haben. Das Experiment besteht aus drei Schritten. Die Teilnehmer/innen (1) werden mit Fake News konfrontiert und aufgefordert, sich eine Meinung zu bilden, (2) werden darüber informiert, dass es sich um Fake News handelte, und (3) wenden Methoden zur Reduktion des Biases an. In jedem Schritt wird die Stärke der Meinung gemessen, um zunächst den Bias festzustellen und anschließend die Effektivität dieser Methoden zur Reduktion dieses Bias zu analysieren. Im zweiten Experiment wird ein aktuelles Thema gewählt, in welchem die Teilnehmer/innen sich bereits eine Meinung gebildet haben, beispielsweise „Migration“ oder „EU-Austritt eines Staates“. Hierbei wird daher die Stärke der Meinung auch zu Beginn des Experiments gemessen.
Auf Basis der Ergebnisse werden die Forschungsfrage beantwortet und Handlungsempfehlungen abgeleitet, wie der Perseveranzeffekt bestmöglich reduziert werden kann. Das Projekt begnügt sich im Gegensatz zu den bestehenden Arbeiten nicht damit, nur die Effektivität einzelner Methoden zu bestätigen, sondern vergleicht auch deren Effektivität und Effizienz. Darüber hinaus werden systematisch bessere Methoden entwickelt, beispielsweise durch die Erweiterung und Kombination bestehender Methoden. Dieser Ansatz stellt eine hohe Qualität der Ergebnisse und der daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen sicher. Das Projekt ist in hohem Maße interdisziplinär, da es Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen wie etwa deskriptiver und präskriptiver Entscheidungstheorie, Behavioural Operations Research, Psychologie, Statistik und empirischer Forschung vereint.
Renommierte Alliance for Decision Education um Nobelpreisträger Daniel Kahneman nimmt Johannes Siebert in Advisory Council auf | Anerkennung für Forschungsleistung im Bereich individuellen und organisatorischen Entscheidungsverhaltens.
Eine hochrangige Anerkennung ist dieser Tage an der Unternehmerischen Hochschule® bekanntgeworden: Johannes Siebert, Professor am MCI-Department Wirtschaft und Management und international ausgewiesener Experte in der Erforschung individuellen und organisationalen Entscheidungsverhaltens, wurde in das hochkarätig besetzte Beratungsgremium der renommierten Alliance for Decision Education rund um Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman und Richard Thaler aufgenommen. Er wird mit seiner Expertise dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche lernen, abseits vom üblichen „Try & Error“ bewusste und wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen.
Die Aufnahme von Johannes Siebert in das Advisory Council der Alliance for Decision Education trägt dazu bei, die internationale Vernetzung und Sichtbarkeit des MCI weiter zu erhöhen. Workshops zum Thema Entscheiden für Schülerinnen und Schüler, die Johannes Siebert im Rahmen eines Forschungsprojektes für Bayern entwickelt, sollen mittelfristig auch in Tirol und Österreich angeboten werden.
Das Treffen von Entscheidungen wird von vielen Individuen und Organisationen als komplexe Aufgabe wahrgenommen. Gründe dafür sind, (i) dass das Entscheiden mit einem gewissen kognitiven Aufwand verbunden ist, (ii) die Entscheidungssituationen nicht vollumfänglich verstanden werden oder (iii) schlicht keine Methoden zum Lösen von Entscheidungsproblemen bekannt sind bzw. beherrscht werden.
Allerdings besteht nur durch das (pro)aktive Treffen von Entscheidungen die Möglichkeit, Einfluss auf das zu nehmen, was wichtig ist. Andernfalls können weder ein einzelner Entscheider noch eine Organisation langfristig ihre Visionen erfolgreich umsetzen. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass viele Individuen und Organisationen nur ein sehr eingeschränktes Interesse an einer proaktiven Entscheidungshandlung haben und oftmals nur über limitierte Fähigkeiten und Kompetenzen im Treffen von Entscheidungen verfügen.
In der Folge treffen viele Menschen und Organisationen suboptimale Entscheidungen und müssen dann mit den Konsequenzen umgehen. Besonders bedeutend können diese Konsequenzen bei Kindern und Jugendlichen sein und die Betreffenden ein Leben lang begleiten. Beispielsweise kann die schlechte Entscheidung, sich in ein Auto zu setzen, dessen Fahrer entgegen der Absprache doch Alkohol getrunken hat, das Leben eines Menschen nachhaltig zum negativen verändern. Gleiches gilt im Positiven. Junge Menschen können durch ihre Entscheidungen die Grundlage ihres künftigen Lebens legen. In der Schule werden viele entscheidungsrelevante Informationen vermittelt, allerdings wird den Schülerinnen und Schüler nicht aufgezeigt, wie Entscheidungen getroffen werden (sollten). Daher treffen die meisten jungen Menschen Entscheidungen nach dem Try-and Error-Prinzip. Die Alliance for Decision Education setzt genau an dieser Stelle an. Sie ist eine renommierte amerikanische Non-Profit Organisation, mit der Vision, dass bessere Entscheidungen zu besseren Leben und letztlich zu einer besseren Gesellschaft führen. Dafür organisieren sie unterschiedliche Lehrangebote in denen Kinder und Jugendliche lernen, bewusster Entscheidungen zu treffen. Darüber hinaus interagieren sie mit politischen Entscheidungsträgern auf allen Ebenen, um langfristig das Treffen von Entscheidungen im Unterrichtskanon zu verankern. Strategisch begleitet werden diese Vorhaben vom sogenannten Advisory Council der mit führenden Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft in den Themenfeldern Verhaltensökonomik, Entscheidungstheorie, Psychologie, Risikomanagement oder Kinderpsychiatrie besetzt ist. Viele Studierenden in den Feldern der Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre kennen beispielsweise sicherlich die Arbeiten von dem Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman oder Paul Slovic.
Entscheidungssituationen werden häufig als Probleme wahrgenommen, die es zu lösen gilt. Allerdings sind Entscheidungen die einzige Möglichkeit, Einfluss auf das zu nehmen, was wichtig ist. Dieser Beitrag grenzt Entscheidungsprobleme und Entscheidungschancen ab und zeigt auf, wie durch proaktives Entscheiden nicht nur die Wahrscheinlichkeit, mit Problemen konfrontiert zu werden, reduziert werden kann, sondern auch systematisch attraktive Entscheidungschancen identifiziert werden können.
[1] Siebert, Johannes U.; von Winterfeldt, Detlof; John, Richard. “Identifying and Structuring the Objectives of the “Islamic State of Iraq and the Levant” (ISIL) and its Followers.”Decision Analysis (INFORMS), 13(1), 2016, 26-50,dx.doi.org/10.1287/deca.2015.0324,
[2] Nagata, M., Abbas, A., Atran, S., Braniff, B., Bringuel, A., al-Chalabi, M., … & Corman, S. (2014). Multi-‐Method Assessment of ISIL. (Link)
Siebert, Johannes U.; von Winterfeldt, Detlof. “Comparative Analysis of Terrorist`s Objectives Hierarchies” 17(2), 2020, 97-114,doi.org/10.1287/deca.2019.0400
„Wer dem IS folgt, ist ein Loser“, in Welt am Sonntag, No. 4, 24th of January, 2016. (Link)
„Was macht den IS für Anhänger attraktiv?“, N24.de, 25th of January, 2016, (Link)
Im Sommer 2014 stellte die Terrorgruppe Islamischer Staat eine der größten Bedrohungen für die Bevölkerung im Nahen Osten und der westlichen Welt dar. Lange mangelte es der amerikanischen Regierung an einer klaren Strategie im Umgang mit dieser Terrorgruppe. Präsident Obama gab dies sogar öffentlich zu (“We don’t yet have a complete strategy” for fighting the Islamic State in Iraq; 28. August 2014, in Washington Post).
Das Problem der Militärführung der Vereinigten Staaten bestand hauptsächlich darin, dass die Mittel, die sich zum Schutz der Zielbevölkerung vor der Terrorgruppe Al Qaeda als erfolgreich erwiesen hatten, bei der Terrorgruppe Islamischer Staat ihre Wirkung verfehlten. Im Nachhinein betrachtet lag dies an den fundamental unterschiedlichen Strategien, die beide Terrorgruppen verfolgen. Um sinnvolle Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung ergreifen zu können, war es erforderlich herauszufinden, welche Ziele die Terrorgruppe Islamic State verfolgt, um anhand dessen mögliche Strategien ableiten und Gegenmaßnahmen daran ausrichten zu können.
Dieser anspruchsvollen Aufgabe haben sich die Professoren von Winterfeldt, Siebert, Abbas und John im Auftrag von General Nagata, Head of Special Operations Command Central (SOCCENT), am Center for Risk and Economic Analysis of Terrorism Events (CREATE) gewidmet. Die besondere Schwierigkeit bei der Identifikation der Ziele von Terroristen liegt darin, dass konventionelle Methoden der Entscheidungstheorie, wie beispielsweise Interviews und Fragebögen, keine Anwendung finden können, da kein Zugriff auf mögliche Gesprächspartner besteht und sehr wahrscheinlich keine Kooperationsbereitschaft vorliegt. Darüber hinaus müssen Propaganda und wahre Ziele unterschieden werden. Die Terrorgruppe Al Qaeda hat z.B. das Ziel, „ein Kalifat zu errichten“ als Propaganda benutzt, um neue Anhänger zu gewinnen. Im Gegensatz hat die Terrorgruppe sich eben diesem Ziel auf oberster Ebene verschrieben und sogar in Weiteren Teilen umgesetzt.
Um den Mangel an direkten Informationsquellen zu kompensieren, analysierte Herr Prof. von Winterfeldt knapp 60 vom Büro des Joint Chiefs of Staff im Pentagon für diesen Zweck durchgeführte semistrukturierte Interviews mit weltweiten Experten für Terrorismus, Islam, Politik, den Nahen Osten, etc. Deren Auswertung resultierte dabei in über 353 unterschiedlichen Aussagen bezüglich möglicher Werte der Terroristen, die in Ziele übersetzt und danach in einer Zielhierarchie zusammengeführt wurden. Prof. Siebert hat diesen Prozess auf Basis einer Suche in frei verfügbaren Quellen repliziert. Dabei wurden insbesondere hierfür transkribierte Reden der IS Führer Al-Baghdadi und Al Adnani, sowie Zeitungsartikel und Propagandaschriften der Terrororganisation ausgewertet.
Aufgrund des Novitätsgrads, der Relevanz der durchgeführten Fallstudie und der neu konzipierten Methode zur Identifikation von Zielen von Organisationen, auf die kein direkter Zugriff besteht, wurde das Projekt für das Finale des Practice Award der Decision Analysis Society des Institute for Operations Research and the Management Sciences (INFORMS) im Jahre 2016 nominiert. Eine differenzierte Darstellung des Projekts und der Methode findet sich in [1] und eine Zusammenfassung Projektbericht in [2].
Siebert, Johannes U.; von Winterfeldt, Detlof. „Comparative Analysis of Terrorists’ Objectives Hierarchies“, Decision Analysis (INFORMS) June 2020, 17(2), 97-114, https://doi.org/10.1287/deca.2019.0400
In Zusammenarbeit mit Kollege von Winterfeldt (Direktor des Center for Risk and Economic Analysis of Terrorism Events, University of Southern California) habe ich eine Methode zur Identifikation und Strukturierung von Zielen von Terroristen entwickelt und in der Praxis für den Oberkommandierenden der US-Streitkräfte im Nahen und Mittleren Osten eingesetzt, um herauszufinden, warum der IS so attraktiv für seine Anhänger ist und welche Ziele die Anführer, die Organisation und die Anhänger verfolgen. Unsere Ergebnisse trugen zu einer verbesserten Problemstrukturierung bei und werden dazu eingesetzt, die Zivilbevölkerung im Westen und mittleren Osten besser vor terroristischen Anschlägen zu schützen.