Kategorie: Forschung

  • A Media-Specific Balanced Scorecard Based on Value-Focused Thinking

    A Media-Specific Balanced Scorecard Based on Value-Focused Thinking

    Veröffentlichung

    Kunz, Reinhard; Siebert, Johannes U.; Mütterlein, Joschka. „A Media-Specific Balanced Scorecard Based on Value-Focused Thinking“, Journal of Media Business Studies, 13(4), 2016, 257-275. http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/16522354.2016.1220114

    Zielsetzungen sind für das strategische Management von grundlegender Bedeutung. Es gibt zwar Untersuchungen über die Ziele von Medienunternehmen, aber wir wissen nur wenig über die Beziehungen zwischen ihnen. Um die Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben, haben wir die Ziele eines Medienunternehmens mit Hilfe des wertorientierten Denkens untersucht und die Balanced Scorecard als Rahmen verwendet, um ihre Beziehungen aufzuzeigen.

    In Interviews mit 23 Managern und Mitarbeitern eines deutschen mittelständischen Lokalzeitungsunternehmens fanden wir 698 verschiedene Ziele und 1009 Beziehungen. Indem wir uns auf die wichtigsten Ziele konzentrierten, leiteten wir eine Balanced Scorecard mit 33 Zielen und 65 Beziehungen ab, die in sieben Perspektiven organisiert waren. Die Ergebnisse wurden dann in einer zweiten Fallstudie über eine tschechische nationale Mediengruppe validiert.

  • Combining Value‐Focused Thinking and Balanced Scorecard to Improve Decision‐Making in Strategic Management

    Combining Value‐Focused Thinking and Balanced Scorecard to Improve Decision‐Making in Strategic Management

    Veröffentlichung

    Kunz, Reinhard; Siebert, Johannes U.; Mütterlein. “Combining Value-Focused Thinking and Balanced Scorecard to Improve Decision-Making in Strategic Management”, Journal of Multi-Criteria Decision Analysis, September-December, 2016, 225-241DOI: 10.1002/mcda.1572

    Zielorientierung ist der Schlüssel zum strategischen Management. In diesem Bereich ist die Balanced Scorecard eines der am häufigsten verwendeten Managementinstrumente. Sie strukturiert die Hauptziele eines Unternehmens aus verschiedenen Blickwinkeln auf der Grundlage der Unternehmensstrategie und verwendet Leistungsindikatoren, um die Erreichung der Ziele und der Strategie zu messen. Die Methode, mit der sie erstellt wurde, ist jedoch theoretisch nicht fundiert. Value-focused Thinking ist eine Entscheidungsphilosophie, die perfekt zur Erstellung der Balanced Scorecard passt. Sie stellt Methoden und Techniken zur Identifizierung und Strukturierung von Zielen zur Verfügung, die geeignet sind, eine Scorecard systematisch aus einem Mittel-Weg-Netz abzuleiten. Allerdings ist ein solches Mittel-Weg-Netz oft zu komplex für den dauerhaften Einsatz im strategischen Management. Durch die Anpassung der Struktur des Netzes an das Layout der Balanced Scorecard dient die fundierte und übersichtliche Menge der abgeleiteten Ziele und ihrer Messgrößen als sinnvolle Grundlage für die Anwendung von Methoden der multikriteriellen Entscheidungsfindung in einer Organisation.


    Ziel dieser Arbeit war es, ein Verfahren zu skizzieren, das die Balanced Scorecard und das Value-focused Thinking zusammenführt, indem es die Stärken der beiden Konzepte bewahrt und ihre Schwächen eliminiert. Es wurde ein sechsstufiger Prozess theoretisch entwickelt und in einer Fallstudie empirisch angewandt. Dieser Prozess umfasste (1) die Identifizierung von Zielen; (2) die Strukturierung von Zielen; (3) die Charakterisierung von Zielclustern; (4) die Formulierung von Mission, Vision und Strategie; (5) die Gestaltung der Scorecard; und (6) die Überwachung und Anpassung an Veränderungen. Auf der Grundlage dieses Ansatzes wurde eine Management-Scorecard erstellt, die die Strategieentwicklung und -umsetzung ermöglicht, ein klares und umfassendes Mittel-Zweck-Netz darstellt und die wichtigsten Ziele eines Unternehmens und ihre Beziehungen durch Perspektiven visualisiert, die grob an die Balanced Scorecard angelehnt sind. Es dient als Grundlage für die Forschung zur Verallgemeinerung und zum Vergleich von Erkenntnissen über Ziele von Organisationen. Unser Vorgehen zeigt, wie wissenschaftliche Methoden wie Value-focused Thinking den Instrumenten der Praktiker wie der Balanced Scorecard zugute kommen können und wie Management-Tools die wissenschaftlichen Methoden ebenfalls verbessern können.

  • Entwicklung einer Balanced Scorecard mit Value-Focused Thinking am Beispiel eines Medienunternehmens

    Entwicklung einer Balanced Scorecard mit Value-Focused Thinking am Beispiel eines Medienunternehmens

    Veröffentlichung

    [1] Siebert, Johannes U.; Kunz, Reinhard „Die Entwicklung einer Balanced Scorecard mit Value-focused Thinking am Beispiel eines Medienunternehmens“. Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung, Heft 3, 2016, 210-215. DOI:  10.15358/0935-0381-2016-3-209

    [2] Kunz, Reinhard; Siebert, Johannes U.; Mütterlein, Joschka. “Combining Value-Focused Thinking and Balanced Scorecard to Improve Decision-Making in Strategic Management”. Journal of Multi-Criteria Decision Analysis, September-Dezember 2016, 225-241,DOI: 10.1002/mcda.1572

    [3] Kunz, Reinhard; Siebert, Johannes U.; Mütterlein, Joschka. „A Media-Specific Balanced Scorecard Based on Value-Focused Thinking“, Journal of Media Business Studies, 13(4), 2016, 257-275. http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/16522354.2016.1220114 10.15358/0935-0381-2016-3-209

    Seit vielen Jahren befindet sich die Medienbranche in einem durch die Digitalisierung der Gesellschaft ausgelösten Wandel. Viele bestehende Geschäftsmodelle werden zwangsläufig durch neue ersetzt. Um in einem solchen Umfeld langfristig erfolgreich agieren zu können, ist ein proaktives Entscheiden im Speziellen und ein proaktives Management im Allgemeinen erforderlich. Hierzu muss ein Unternehmen jedoch sehr genau seine Ziele kennen. Bei vielen Unternehmen in der Medienbranche, insbesondere bei kleinen und mittelständischen, ist dies häufig nicht der Fall. Diese werden zumeist von Inhabern geführt, die sich „auf ihren Bauch“ verlassen, und sehr genau zu wissen meinen, wohin sie ihr Unternehmen steuern müssen. Allerdings sind dadurch Ziele für Mitarbeiter häufig sehr intransparent. Wie sollen die Mitarbeiter jedoch gute Arbeit leisten, wenn ihnen gar nicht klar ist, was sie eigentlich erreichen sollen? In einer Branche, die sich im Wandel befindet, ist es ja keinesfalls ausreichend, einfach das zu machen, was schon immer gemacht wurde.

    In einem praxisorientierten Forschungsprojekt der Universität Bayreuth haben Prof. Siebert, Prof. Kunz und Herr Mütterlein für ein mittelständisches Unternehmen in der Medienbranche eine Balanced Scorecard auf Basis von Value-focused Thinking entwickelt. Im Zuge der Anwendung dieses weit verbreiteten Managementinstruments Balanced Scorecard liegt die besondere Herausforderung in einer umfassenden und systematischen Erfassung der relevanten Ziele und Zielbeziehungen. Jedoch gibt es nur wenige Manager, die Erfahrung mit der Erstellung und Interpretation der teilweise sehr differenzierten Mittel-Ziel-Netzwerke haben. Vor diesem Hintergrund wurde eine Vorgehensweise zur Entwicklung und Anpassung einer Balanced Scorecard unter Einsatz von Techniken zur Identifikation von Zielen und Zielbeziehungen mit Value-focused Thinking entwickelt. Nachfolgend findet sich eine kurze Beschreibung der sechs empfohlenen Schritte (siehe Siebert und Kunz 2016).

    • Im ersten Schritt erfolgt die Identifikation von Zielen und Zielbeziehungen durch Interviews mit den Entscheidungsträgern und weiteren Mitarbeitern in Schlüsselpositionen der Organisation. Hier kommen Techniken und Methoden des Value-focused Thinking, wie z. B. die Identifikation von Ketten von Zielen (Leitfrage: Warum ist das Ziel wichtig?), zum Einsatz.
    • Im zweiten Schritt erfolgt die Strukturierung der Ziele. Im Zuge dessen werden zunächst die von den Entscheidungsträgern artikulierten Ziele aggregiert, redundante Ziele eliminiert und die verbleibenden Ziele klassifiziert. Anschließend wird ein differenziertes Mittel-Zweck-Netzwerk unter Berücksichtigung von Strukturierungstechniken des Value-focused Thinking erstellt.
    • In einem dritten Schritt werden Zielcluster identifiziert, die sich dadurch auszeichnen, dass die Ziele eines Clusters mehr Beziehungen untereinander als zu Zielen anderer Cluster aufweisen.
    • Im vierten Schritt dienen die wichtigsten Ziele der einzelnen Cluster als Grundlage zur Formulierung der Mission, Vision und der Strategie des Unternehmens.
    • Im fünften Schritt erfolgt das Design der Balanced Scorecard. Hierzu werden einzelne oder mehrere Cluster als Perspektive einer Balanced Scorecard interpretiert. Darüber hinaus werden die jeweiligen Ziele identifiziert und Zielbeziehungen modelliert. Um den Erfolg des Unternehmens messbar zu machen, werden die Ziele mithilfe geeigneter Kennzahlen operationalisiert. Damit ist die erstmalige Erstellung einer Balanced Scorecard abgeschlossen.
    • In einem sechsten Schritt wird die Balanced Scorecard überwacht und, wenn nötig, an Veränderungen der Unternehmensumwelt oder des Unternehmens angepasst. Dabei könnten beispielsweise einzelne Ziele in der Balanced Scorecard durch andere Ziele im Mittel-Zweck-Netzwerk ausgetauscht werden.

    Eine auf diese Weise erstellte Balanced Scorecard weist eine interessante Besonderheit auf. Experimente haben erwiesen, dass Ziele einen effektiven Stimulus für die Entwicklung von Alternativen darstellen können (Siebert und Keeney 2015). Wenn das Management feststellt, in einem bestimmten Bereich Änderungen herbeiführen zu müssen, beispielsweise in der Kundenperspektive, dann bietet eine klassisch erstellte Balanced Scorecard ca. vier bis sechs Ziele als Ansatzpunkte zur Entwicklung von Alternativen. Die von uns entwickelte Vorgehensweise erlaubt hingegen, beliebig tief in die Zielbeziehungen „hinein zu zoomen“. Die Ziele, die in der Balanced Scorecard Berücksichtigung finden, können als Berge in einer Landschaft verstanden werden. Je nach Detaillierungsgrad des Mittel-Zweck-Netzwerks können dessen Ziele hierbei als Hügel oder Ebenen angesehen werden. Für die Frage, inwiefern eine bestimmte Kennzahl verbessert werden kann, ist es ohne großen Aufwand möglich, einen Teilausschnitt des differenzierten Mittel-Zweck-Netzwerks heranzuziehen. Aufgrund des Novitätsgrads, der differenzierten Fallstudie und der letztlich einfachen Methode wurde das Projekt für das Finale des Practice Award der Decision Analysis Society des Institute for Operations Research and the Management Sciences (INFORMS) im Jahre 2013 nominiert.

    Zu dieser Thematik sind drei Artikel entstanden, die sich an unterschiedliche Zielgruppen wenden. [1] bietet einen guten Einstieg und ist für interessierte Praktiker geschrieben. Hier finden sich auch Handlungsempfehlungen zur eigenständigen Umsetzung. [2] beschäftigt sich mit der theoretisch konzeptionellen Herleitung der Methode. Der Artikel ist so geschrieben, dass ein interessierter Praktiker weitere differenzierte Hinweise zur Methode bekommt. [3] rückt besonders die Fallstudie bei einem mittelständischen Medienunternehmen in den Vordergrund. Hier finden Interessierte die Methode Schritt für Schritt detailliert angewendet. Besonders relevant ist dieser Artikel für alle, die sich mit Medien beschäftigen, da die Ziele von Medienunternehmen grundsätzlich relativ große Schnittmengen aufweisen. Die Unterschiede liegen zumeist hauptsächlich in der Gewichtung eben dieser.

  • Developing and Validating the Multidimensional Proactive Decision-Making Scale

    Developing and Validating the Multidimensional Proactive Decision-Making Scale

    Veröffentlichung

    Siebert, Johannes U.; Kunz, Reinhard. “Developing and Validating the Multidimensional Proactive Decision-Making Scale”. Special Issue „Behavioral Operations Research“ in European Journal of Operational Research, 249(3) 2016, 864-877.dx.doi.org/10.1016/j.ejor.2015.06.066

    Auf der Grundlage einer umfassenden interdisziplinären Literaturrecherche wird die proaktive Entscheidungsfindung (PDM) als multidimensionales Konzept konzeptualisiert. Wir führen fünf Studien mit über 4.000 Teilnehmern aus verschiedenen Ländern durch, um eine theoretisch konsistente und psychometrisch fundierte Skala für PDM zu entwickeln und zu validieren.

    Das PDM-Konzept wird entwickelt und geeignete Items werden aus der Literatur abgeleitet. Es werden sechs Dimensionen konzeptualisiert: die vier proaktiven kognitiven Fähigkeiten „systematische Identifizierung von Zielen“, „systematische Suche nach Informationen“, „systematische Identifizierung von Alternativen“ und „Verwendung eines „Entscheidungsradars““ sowie die beiden proaktiven Persönlichkeitsmerkmale „Initiative zeigen“ und „Streben nach Verbesserung“. Mit Hilfe der Hauptkomponenten-Faktorenanalyse und der anschließenden Item-Analyse sowie der konfirmatorischen Faktorenanalyse wurden sechs konzeptionell unterschiedliche dimensionale Faktoren identifiziert und als akzeptabel zuverlässig und gültig getestet.

    Unsere Ergebnisse sind bemerkenswert ähnlich für Personen, die Entscheidungsträger, Entscheidungsanalytiker, beides oder keines von beidem sind, mit unterschiedlichen Erfahrungsniveaus. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass Personen mit hohen Werten in einem PDM-Faktor, z. B. proaktive kognitive Fähigkeiten oder Persönlichkeitseigenschaften, eine signifikant höhere Entscheidungszufriedenheit aufweisen. Daher kann die PDM-Skala in der zukünftigen Forschung zur Analyse anderer Konzepte verwendet werden. Darüber hinaus kann die Skala z. B. von Mitarbeiterteams eingesetzt werden, um OR-Probleme effektiv zu bearbeiten oder um einen Entscheidungsanalysten über das Entscheidungsverhalten in einer Organisation zu informieren.

  • Identifying and Structuring the Objectives of the Islamic State of Iraq and The Levant (Isil) and its Followers

    Identifying and Structuring the Objectives of the Islamic State of Iraq and The Levant (Isil) and its Followers

    Veröffentlichung

    Siebert, Johannes U.; von Winterfeldt, Detlof; John, Richard. “Identifying and Structuring the Objectives of the “Islamic State of Iraq and the Levant” (ISIL) and its Followers.” Decision Analysis (INFORMS), 2016, 13(1), 26-50, dx.doi.org/10.1287/deca.2015.0324

    In dieser Studie wurden drei Fragen untersucht: 1. Was sind die Ziele der Anführer des ISIL? 2. Welches sind die Ziele der Anhänger des ISIL? 3. Wie hängen die beiden Zielgruppen zusammen? Zur Beantwortung dieser Fragen analysierten wir die Transkripte von Interviews und Präsentationen von 59 Fachexperten (KMU) und führten eine separate Analyse von Reden von ISIL-Führern und ausgewählten Internetquellen durch. In beiden Fällen haben wir die strategischen und grundlegenden Ziele sowie die Mittel des ISIL und seiner Anhänger identifiziert und strukturiert.

    Die Ergebnisse zeigen, dass die Anführer des ISIL vier strategische Ziele verfolgen: Errichtung eines Kalifats im Irak und in der Levante, Kontrolle und Herrschaft über das Kalifat, weltweite Ausbreitung des Islams und der Scharia sowie Wiederherstellung von Macht und Ruhm des (sunnitischen) Islams. Die Ziele der Anhänger lassen sich in drei strategische Ziele unterteilen: Erfüllung der humanitären Ziele, Erfüllung der religiösen Ziele und Erfüllung der persönlichen Ziele. Die in den KMU-Interviews ermittelten Ziele ähnelten denen, die sich aus den Aussagen der ISIL-Führer und dem Internet ergaben. Die Internetrecherche ergab jedoch viel mehr persönliche Ziele von ISIL-Anhängern. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Ziele der ISIL-Führung eng mit denen ihrer Anhänger übereinstimmen. Es gibt auch einen scharfen Kontrast zwischen den Zielen von ISIL und denen von Al-Qaida, insbesondere die Betonung von ISIL auf Besetzung und Kontrolle.

  • Creating More and Better Alternatives for Decisions Using Objectives

    Creating More and Better Alternatives for Decisions Using Objectives

    Unsere erste Studie zeigt, dass die Entscheidungsträger weniger als die Hälfte ihrer Alternativen identifizieren und dass die Qualität von Alternativen ist entscheidend für das Treffen guter Entscheidungen. Diese Forschungsarbeit, die auf fünf empirischen Studien zu wichtigen, persönlich relevanten Entscheidungen basiert, untersucht die Fähigkeit von Entscheidungsträgern, Alternativen für ihre wichtigen Entscheidungen zu entwickeln, und die Wirksamkeit verschiedener Stimuli zur Verbesserung dieser Fähigkeit. Unsere erste Studie zeigt, dass Entscheidungsträger bei Entscheidungen, bei denen die Gesamtheit der potenziell wünschenswerten Alternativen nicht ohne Weiteres ersichtlich ist, weniger als die Hälfte ihrer Alternativen identifizieren und dass die durchschnittliche Qualität der übersehenen Alternativen dieselbe ist wie die der identifizierten. Vier weitere Studien geben Aufschluss darüber, wie Zielsetzungen eingesetzt werden können, um den Prozess der Alternativenbildung bei Entscheidungsträgern anzuregen, und bestätigen mit hoher Signifikanz, dass ein solcher Einsatz sowohl die Anzahl als auch die Qualität der gebildeten Alternativen erhöht. Anhand der Ergebnisse der Studien werden praktische Leitlinien für die Erstellung von Alternativen für wichtige Entscheidungen vorgestellt.

    Siebert, Johannes U.; Keeney, Ralph L. “Creating More and Better Alternatives for Decisions Using Objectives”. Operations Research, September/October 2015, 63(5), 1144-1158. dx.doi.org/10.1287/opre.2015.1411

  • Die Entwicklung einer Balanced Scorecard mit Value-Focused Thinking am Beispiel eines Medienunternehmens

    Die Entwicklung einer Balanced Scorecard mit Value-Focused Thinking am Beispiel eines Medienunternehmens

    Dieser Beitrag beschreibt eine innovative Vorgehensweise zur Erstellung einer differenzierten Balanced Scorecard mit Hilfe von Instrumenten und Methoden des Value-focused Thinking und illustriert diese Vorgehensweise anhand eines mittelgroßen Medienunternehmens.

    Siebert, Johannes U.; Kunz, Reinhard „Entwicklung einer Balanced Scorecard mit Value-focused Thinking am Beispiel eines mittelgroßen Medienunternehmens“. Controlling:Zeitschrift für erfolgsorientierte Unternehmenssteuerung, March 2016, 210-215. DOI:  10.15358/0935-0381-2016-3-209

  • Identifikation und Strukturierung von Zielen eines großen Energieversorgers

    Identifikation und Strukturierung von Zielen eines großen Energieversorgers

    Bevor ein Unternehmen gute strategische Alternativen entwickeln kann, muss klar sein, was es eigentlich erreichen will. Für einen großen europäischen Energieversorger haben Ralph Keeney und ich nach dem deutschen Atomausstieg genau das herausgearbeitet: alle strategischen Ziele des Unternehmens, verdichtet auf einer Seite.

    Auftraggeber: großer europäischer Energieversorger (anonymisiert)
    Zeitraum: ab Anfang 2013
    Methode: Value-Focused Thinking
    Beteiligte: alle Vorstandsmitglieder, Aufsichtsratsvorsitzender, rund ein Dutzend Führungskräfte in Schlüsselpositionen
    Ergebnis: Zielnetzwerk mit drei Hauptbereichen, entwickelt aus rund 450 identifizierten Zielen

    Ausgangslage

    Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 vollzog die deutsche Energiepolitik einen Paradigmenwechsel: Die Bundesregierung unter Angela Merkel beschloss kurzfristig den Atomausstieg. Die großen Energieversorger, die Kernkraftwerke betrieben, traf diese Entwicklung unvorbereitet. Die wirtschaftlichen Folgen waren erheblich. Das Unternehmen, mit dem wir gearbeitet haben, schätzte seine langfristigen Gewinnausfälle auf rund 1 Mrd. Euro pro Jahr.

    Entsprechend groß war der Druck, qualitativ hochwertige strategische Handlungsalternativen zu entwickeln. Dafür müssen jedoch zuerst die strategischen Ziele des Unternehmens systematisch identifiziert und strukturiert sein.

    Vorgehen

    Dieser Aufgabe habe ich mich Anfang 2013 gemeinsam mit Ralph Keeney angenommen, emeritierter Professor der Duke University und Begründer des Value-Focused Thinking. Wir haben Einzelinterviews mit allen Mitgliedern des Vorstands, dem Aufsichtsratsvorsitzenden und rund einem Dutzend Führungskräften in Schlüsselpositionen geführt, die zusammen alle relevanten Geschäftsbereiche abdeckten. Zusätzlich haben wir öffentlich zugängliche Dokumente und interne Planungsunterlagen systematisch nach möglichen Zielen ausgewertet.

    So kamen zunächst rund 450 Ziele zusammen. Diese haben wir kategorisiert, Redundanzen eliminiert, die verbleibenden Ziele in einem Netzwerk organisiert und in einem übersichtlichen Schaubild visualisiert.

    Ergebnis: ein Zielnetzwerk mit drei Bereichen

    Grundlagen für künftigen Erfolg legen. Hier finden sich Ziele zu guter Führung, zum Auf- und Ausbau einer hochqualifizierten Belegschaft und dazu, konsequent gute Entscheidungen zu treffen.

    Das Geschäft klug und zukunftsfähig gestalten. In diesem Bereich zeigte sich, dass im Unternehmen zwei unterschiedliche Zielsysteme nebeneinander bestehen. Im traditionellen, regulierten Geschäft stehen „Effizienz erhöhen“ und „Kosten minimieren“ im Zentrum. In den neuen, nicht regulierten Geschäftsfeldern wie den erneuerbaren Energien geht es dagegen um „Neue Produkte entwickeln“, „Neue Märkte erschließen“ und „Neue Kunden gewinnen“.

    Im unsicheren Marktumfeld nicht nur überleben, sondern wachsen. Im Mittelpunkt steht, welche Werte das Unternehmen für seine Stakeholder schaffen will: für Kundinnen und Kunden eine sichere und verlässliche Energieversorgung zu vertretbaren Preisen, für Anteilseigner eine angemessene und stabile Dividende, für die Region ein starkes Engagement vor Ort und für Mitarbeitende sichere Arbeitsplätze zu fairen Bedingungen, an denen sie Freude an ihrer Arbeit haben.

    Die zentrale Erkenntnis

    Das Unternehmen agierte in zwei Geschäftsbereichen mit grundlegend verschiedenen Zielen. Im regulierten Bereich war „effektiv und effizient arbeiten“ zentral, im nicht regulierten „neue Produkte und Prozesse entwickeln und vermarkten“. Dahinter stehen unterschiedliche Managementphilosophien. Das erklärte unter anderem, warum sich Mitarbeitende, die viele Jahre im traditionellen Geschäft tätig waren, im neuen Bereich oft schwertaten.

    Als wir die Ergebnisse im Vorstand präsentierten, sagte der Vorstandsvorsitzende, damals seit 100 Tagen im Amt, ihn beeindrucke, dass sich alles, was dem Unternehmen wichtig ist, auf einer Seite verdichten ließ. Gerade die klare Unterscheidung zwischen reguliertem und nicht reguliertem Bereich sei für ihn das fehlende Puzzlestück gewesen, um seine Vision des Unternehmens klar zu kommunizieren.

    Was sich übertragen lässt

    Das Vorgehen eignet sich für Organisationen, die vor einer strategischen Neuausrichtung stehen: wenn sich das Umfeld grundlegend ändert, eine neue Führung antritt oder alte und neue Geschäftsfelder unter einem Dach zusammenfinden müssen. Ein explizites Zielnetzwerk macht sichtbar, was wirklich wichtig ist, deckt widersprüchliche Zielsysteme auf und schafft die Grundlage, um bessere Alternativen zu entwickeln und zu bewerten.

    Ursprünglich veröffentlicht im April 2015, aktualisiert im September 2026.