Was bleibt, wenn ich nicht im Raum bin

Johannes Siebert hält den CEEMAN Champion Award, flankiert von Aigerim Kaumenova und Danica Purg in einem holzgetäfelten Hörsaal in Bukarest.

Im Rahmen der 34. CEEMAN Annual Conference in Bukarest wurde mir der CEEMAN Champion Award in der Kategorie Teacher of the Year 2026 überreicht. CEEMAN ist ein internationaler Verband für Managemententwicklung mit rund 200 Mitgliedsinstitutionen aus über 50 Ländern und würdigt mit den Champion Awards jährlich Leistungen in Lehre, Forschung, Responsible Management Education und Hochschulmanagement.

Was die Jury hervorhebt

In der Begründung steht ein Punkt im Mittelpunkt, der mir selbst der wichtigste ist: Meine Studierenden analysieren keine vorbereiteten Fallstudien, sondern arbeiten an einer Entscheidung, die sie tatsächlich betrifft. Sie klären ihre Ziele, entwickeln daraus Handlungsalternativen, schätzen Konsequenzen ab und wägen Zielkonflikte bewusst ab. Unterstützt wird das durch das Entscheidungsnavi, das ich gemeinsam mit Rüdiger von Nitzsch entwickelt habe.

Warum mir die Verankerung wichtiger ist als der Kurs

Ein Kurs, der an einer Person hängt, endet mit dieser Person. Eine Methode, die nur funktioniert, wenn ihr Urheber sie erklärt, ist keine Methode, sondern eine Person. Und für Studierende, die den Kurs nicht belegen, bleibt er folgenlos — das sind immer die meisten.

Deshalb freut mich an dieser Auszeichnung besonders, dass sie nicht eine einzelne Lehrveranstaltung meint. Entscheidungskompetenz wird am MCI inzwischen studiengangsübergreifend als eigenständige Kompetenz verstanden und im Assurance-of-Learning-Prozess überprüft. Sie ist damit nicht mehr mein Thema, sondern eines der Hochschule. Studierende begegnen ihr unabhängig davon, ob sie sich dafür entschieden haben.

Wohin das führen soll

Damit ist ein Zwischenschritt erreicht, nicht das Ziel. Ich halte Entscheidungskompetenz für einen Future Skill in demselben Sinn wie Datenkompetenz oder wissenschaftliches Arbeiten: eine Fähigkeit, die jedes Studium vermitteln sollte, unabhängig vom Fach.

Das Argument dafür ist schlicht. Jeder Mensch trifft im Studium und danach Entscheidungen, die den weiteren Weg prägen — über Schwerpunkte, Berufseinstieg, Ortswechsel, später über Verantwortung für andere. Wir setzen bislang voraus, dass man das kann. Trainingsstudien zeigen, dass man es lernen kann. Zwischen beidem liegt eine Lücke, die Hochschulen schließen könnten.

Was dafür fehlt, ist keine Methode — die gibt es. Es fehlt die Selbstverständlichkeit, mit der wir andere Querschnittskompetenzen im Curriculum verankern. Dass eine solche Verankerung an einer Hochschule funktioniert, zeigt, dass es geht.

Und darüber hinaus

Dieselben Konzepte liegen KLUGentscheiden! zugrunde, einer Initiative zur Förderung der Entscheidungskompetenz von Jugendlichen; mehr als 500 Lehrkräfte wurden inzwischen darin geschult. Auch in der öffentlichen Berufsberatung sollen sie künftig zum Einsatz kommen und mehrere tausend Beraterinnen und Berater erreichen.

Mein Dank gilt CEEMAN und der Jury, den Kolleginnen und Kollegen am MCI, die die curriculare Verankerung mitgetragen haben — und den Studierenden, die ihre eigenen Entscheidungen einbringen und damit erst zeigen, ob die Methode etwas taugt.

Zum Preis

CEEMAN Champion Award – Teacher of the Year 2026, verliehen von CEEMAN – International Association for Management Development in Dynamic Societies, im Rahmen der 34. CEEMAN Annual Conference, 23.–25. September 2026 in Bukarest. → https://www.ceeman.org/competitions-awards/ceeman-champion-awards/champions-2026